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Kinderherzen wollen schlagen


Die Diagnose ist nieder-schmetternd: „Ihr Kind ist herzkrank.“ Welche häufigen Herzfehler es bei Kindern gibt, wie groß die Heilungschancen sind und wie Eltern mit der Situation umgehen, erklärt Dr. Gerald Tulzer vom Kinderherzzentrum Linz.

Wenn das Kind herzkrank ist, stellt das für Eltern eine große Belastung dar. Viele Fragen tauchen auf, wie: Warum sieht man meinem Kind nichts an? Wird es wieder ganz gesund? Muss es lebenslang Medikamente einnehmen? Fragen, die Primarius Universitätsdozent Dr. Gerald Tulzer von der Landes Frauen- und Kinderklinik Linz nur allzu gut kennt.

Häufigste angeborene Fehlbildung

Während sich die meisten Herzfehler bei Erwachsenen durch Veränderungen der Herzkranzgefäße entwickeln, ist das bei Kindern anders: Die überwiegende Mehrheit der Herzerkrankungen ist bei ihnen nicht erworben sondern angeboren. Sie entstehen durch Störungen in der Herzentwicklung während der Schwangerschaft. „0,7 bis ein Prozent aller Lebendgeburten haben einen angeborenen Herzfehler. Herzfehler sind damit die häufigsten angeborenen Fehlbildungen“, sagt der Mediziner. Besonders häufig tritt ein Loch in der Herzkammer auf – ein Drittel aller herzkranken Kinder leiden darunter. „Die restlichen zwei Drittel haben meist größere beziehungsweise komplexere Herzfehler“, ergänzt Tulzer.
 
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Ursache meist unbekannt

Doch wie kann es überhaupt dazu kommen? Die Ursachen von Herzfehlern bei Kindern sind bei zwei Drittel der kleinen Patienten unklar. In den restlichen Fällen können verschiedene Gründe dafür verantwortlich sein: Sie reichen von bestimmten Erkrankungen der schwangeren Frau, wie etwa eine Rötelinfektion oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), bis zur Einnahme von Medikamenten, etwa zur Blutgerinnung. Viele Herzfehler – ein Drittel – werden bereits während der Schwangerschaft mittels Ultraschalluntersuchung diagnostiziert und einige davon auch bereits behandelt. Zusätzlich können durch die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen viele kindliche Herzerkrankungen festgestellt werden. Nur wenige entdeckt man, wenn das Kind schon älter ist.
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Gibt es Anzeichen?

Auf die Frage, ob es typische Symptome eines Herzfehlers gibt, antwortet der Mediziner: „Bei einigen Kindern zeigt sich eine sogenannte Zyanose. Die bläuliche Verfärbung der Haut entsteht durch sauerstoffarmes Blut im Körper.“ Auch kann es zu Atem- oder Trinkschwierigkeiten kommen. Weitere mögliche Symptome sind ein beschleunigter Herzschlag, Schwitzen bei geringen Belastungen oder eine rasche Erschöpfung. Bei einigen Kindern ist zudem die Entwicklung leicht verzögert. Sie lernen später zu sitzen oder zu laufen.
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Fortschritte bei Therapie

In den vergangenen Jahren hat sich bei der Behandlung einiges getan: „Herzfehler, die man nicht behandeln kann, gibt es heute praktisch nicht mehr. Fast alle Kinder können ein ganz normales Leben führen“, sagt Tulzer. Nur bei einigen wenigen Kindern, bei denen sich der Herzfehler nicht vollständig korrigieren lässt, wie etwa fehlende Herzkammern oder schwere Herzklappenfehler, ist mit Einschränkungen zu rechnen. Ob das Kind lebenslang Medikamente – etwa zur Hemmung der Blutgerinnung oder zur Senkung des Blutdruckes – einnehmen muss, hängt von der Art des Herzfehlers ab, ist aber in den meisten Fällen nicht notwendig.
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Bewegung mit Herzfehler

Betroffene Eltern neigen oft dazu, das Kind zu „überhüten“. Was dürfen herzkranke Kinder machen und was nicht? „Körperliche Bewegung ist immer gesund, es kommt aber natürlich auf den Sport und die Dosis an. Vernünftig betrieben gibt es so gut wie keine Einschränkungen. Acht Stunden täglich zu trainieren, wäre natürlich zu viel. Bei diesem Thema besteht generell bei vielen Eltern eine große Unsicherheit. Wichtig wäre deshalb, wenn man gute Rehabilitationsmöglichkeiten speziell für Kinder schaffen würde. Dort könnten diese mit ihren Eltern und Geschwistern lernen, mit dem Herzfehler umzugehen“, wünscht sich der Leiter des Departments für Kinderkardiolgie.
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